Dienstag, 20. März 2018

Windmühlen in meinem Kopf (von Mariella Köchl)


Gegen Gegenwind gibt es keinen Schutz. Nur Widerstand.
Sie sagen, Gegenwind formt den Charakter.
Falsch. Rückenwind formt den Charakter. Bringt einen voran.
Gegenwind verbiegt den Charakter, wie einen wachsenden Baum.
Du warst mein Rückenwind.
Ich habe Windmühlen in meinem Kopf. Der Wind bestimmt meine Richtung.
Du bist mein Gegenwind.
Wie ein Blatt im Wind, von rechts nach links gedrückt, empor gehoben, über den Boden geschleift. Von Menschen zertreten, von der Straße gefegt. Hauchdünn, zart und brüchig.
Ich trage Segel an meinen Schultern. Der Wind bestimmt meine Richtung.
Manchmal, wenn der Gegenwind zu stark ist, fühlt man sich schwer. Die Beine wie Blei, kaum vom Boden zu bekommen, um einen Schritt zu machen.
Wenn der Gegenwind zu stark ist, lässt man besser los. Lässt sich von ihm treiben, um Rückenwind zu bekommen.
Du hast doppelte Windgeschwindigkeit. Vierfache Kraft. Du lässt Staub, Schmutz, Laub, Regen und Schnee gegen mich drücken. Knochenbrechend, zermürbend, ermüdend.
Kann deine Worte nicht hören, der Wind ist zu laut. Das Pfeifen erfüllt meine Ohren. Ich kann dich nicht verstehen.
Mein Ziel ist, wo der Wind seinen Ursprung findet. Mein Ziel ist, wo du stehst. Unerreichbar. Muss mich vom Wind verbiegen lassen, um über die Ziellinie zu treten.
Ich blicke zurück. Zu weit gekommen, um aufzugeben, zu weit entfernt, um weiter zu gehen.
Ich bleibe stehen. Werde zu Stein. Stein kannst du nicht zu Boden werfen. Stein kannst du nicht zertrümmern.
Ich werde härter als Stein sein. Ich werde ein Diamant sein. Und ich werde ankommen.
Gegen Gegenwind gibt es keinen Schutz. Nur Widerstand.

(Text von Mariella Köchl, 8A / AHS Zirkusgasse)